Wo Menschen sich im ­öffentlichen Raum begegnen, treffen unterschiedliche Glaubensrichtungen aufeinander. Foto: Leo/unsplash.com

Editorial: Es geht um Glauben, Respekt und um Geld

Text: Katharina Kilchenmann
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Auf dem Fussballplatz, im Büro, am Spitalbett, in der Schule, in der Kaserne: Wo Menschen sich im ­öffentlichen Raum begegnen, treffen unterschiedliche Glaubensrichtungen aufeinander. Vorbei sind die Zeiten, als ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung einer der drei­ ­Landeskirchen, der römisch-katholischen, christkatholischen oder der reformierten, oder einer der ebenfalls staatlich anerkannten jüdischen Gemeinden angehörte.

Gesellschaftlicher Wandel

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Religionslandschaft stark ver­ändert. Es gibt buddhistische, hinduistische und islamische Gemeinschaften, solche von Sikhs und Aleviten. Auch die christlichen Freikirchen haben ihren festen Platz in der Gesellschaft. Parallel dazu sind seit den Neunzigerjahren zahlreiche interreligiöse Organisationen, Vereine und Treffpunkte entstanden. Ihr Ziel: Menschen mit unterschiedlichem religiösem und kulturellem Hintergrund ins Gespräch bringen.

Skepsis bleibt

Ihre Arbeit wird kaum beachtet, trägt aber wesentlich zur Verstän­digung und zum Abbau von Vorurteilen bei. So ist es auch ihrem Engagement zu verdanken, dass heute in der Armee, in Spitälern und in Asylzentren ebenso muslimische und freikirchliche Seelsorgende eingesetzt werden. Doch die Skepsis in der Bevölkerung bleibt. ­Spätestens seitdem das Bild eines ­mus­limischen Seelsorgers, der mit Armee­angehörigen betet, in den Medien auftauchte, wird wieder ­darüber diskutiert, wie viel Multireligiosität unser Land verträgt.

Geld- und Kochtopf

«zVisite» fragt nach: Wo steht der interreligiöse Dialog heute? Mit welchen Herausforderungen muss gerechnet werden? Ist es noch zeitgemäss, dass nur die Landeskirchen Geld vom Staat bekommen und die kleineren Religionsgemeinschaften leer ausgehen? Wir untersuchen die Beziehung von Religion und Staat und lassen Expertinnen und Experten des interreligiösen Dialogs zurück- und in die Zukunft schauen. Und wir ­blicken in den gemeinsamen Kochtopf eines Hindupriesters und eines Rabbiners. Sie erzählen, was es heisst, wenn Religion buchstäblich durch den Magen geht.